Liebe Leute,

in Colorado und anderen Bundesstaaten läuft das so: Mit 18 Jahren kann man in einen Waffenladen spazieren, sich die größte Knarre aussuchen, gibt ein paar Daten ein, die an das FBI gehen, das die Person dann auf Vorstrafen checkt – etwa häusliche Gewalt, Trunkenheit am Steuer etc. Liegt nichts vor, kann man locker innerhalb von einer Stunde mit seiner Waffe aus dem Laden gehen. Moment: Pistolen gibt es übrigens erst ab 21 Jahren – warum das so ist, konnte man mir in dem Gun Club in Denver nicht sagen. Das Gesetz sei so.

Auch wenn der Einstieg jetzt etwas flapsig war:  Mary und Richard Abramson, die Eigentümer des Waffenclubs mit seinen 5600 Mitgliedern, haben mich wirklich sehr nett empfangen. Sie haben alle meine nervigen und skeptischen Fragen mit einer Freundlichkeit beantwortet, die man wahrscheinlich nur in den USA findet.

Immer wieder stellte ich die Frage: Sollte man die Waffengesetze verschärfen oder den privaten Besitz komplett verbieten? Richard Abramson (auf dem Bild mit dem RA 15-Sturmgewehr für 600 Dollar zu sehen) ließ sich nicht aus der Ruhe bringen, denn dieses Szenario ist für den 68-Jährigen einfach undenkbar. „Nein, auf keinen Fall“, sagt er.

An dem Samstagnachmittag war im Gun Club die Hölle los – ständig kamen neue Clubmitglieder oder normale Gäste in das Geschäft. Kontinuierlich waren die Schüsse in dem Geschäft zu hören. Der Boden ist mit Patronenhülsen übersät.  Im hinteren Bereich des Gebäudes gibt es 16 Bahnen, die gemietet werden können. Eine Stunde kostet 20 Dollar. Ältere Damen schossen dort genauso mit ihren Pistolen, wie College-Studenten und andere Freunde des Schießsports – unter anderem auch mit der RA 15, einem Sturmgewehr, das bei Amokläufen zum Einsatz kam.

Die Schieß-Übungen finden unter Aufsicht statt. Im Hintergrund der acht Bahnen steht eine Person des Gun Clubs, die beobachtet, was die Kunden dort treiben. „Ich habe schon gesehen, wie Menschen in die Mündung ihrer Pistole geschaut haben“, sagt Guy Pizzulo und schüttelt den Kopf. Der 52-Jährige war einst für die Army in Deutschland bei Hanau stationiert. Nun arbeitet er in dem Gun Club. Für ihn ist entscheidend, dass die Menschen den richtigen Umgang mit Waffen lernen. Es sei eine Frage des Trainings. „Natürlich sollten manche Menschen keine Waffen haben, manche sollten aber auch kein Auto fahren“, sagt Guy.

Für 200 Dollar im Monat kann man übrigens Teil des Statesman-Clubs werden. Für diese VIP-Mitglieder  gibt es einen separaten Bereich mit Bar, gemütlicher Sitzecke und einer eigenen Bahn, auf der sie schießen können. „Die Menschen mögen das Schießen einfach als Hobby“, sagt Mary Abramson.

Für Dick Abramson steht es außer Frage, in die  Waffengesetze einzugreifen oder gar die 350 Millionen Waffen im privaten Besitz ganz zu verbieten. „Mehr Waffen bedeuten mehr Sicherheit“, sagt er – seine Tonlage verändert sich im Gespräch dabei kaum. Ruhig spricht er, ist immer freundlich.

„Im Club in Orlando, das war eine waffenfreie Zone – hätten die Menschen Waffen gehabt, wäre es dazu nicht gekommen“, sagt er. Richard Abramson wiederholt damit die Aussage, die bereits der republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump ähnlich geäußert hatte. „Ich versuche, nie in waffenfreie Zonen zu gehen“, sagt der 68-Jährige.  Zu unsicher, findet er. Viele der Amokläufe seien genau in solchen Bereichen geschehen,  in denen die Menschen keine Waffen bei sich tragen durften.

„Wir haben in den USA ein Terrorismusproblem, in Europa habt ihr das nicht so sehr“, sagt Richard Abramson. Darin sieht er eine von vielen Gründen, warum Waffen in privaten Händen gut aufgehoben sind.

Persönlich halte ich das für ausgemachten Blödsinn. Aber das Recht, Waffen zu besitzen und diese am besten überall mit sich führen zu dürfen, ist tief bei vielen Menschen in den USA verankert. Sie empfinden es als ein Grundrecht, schließlich steht es so in der Verfassung – allerdings dieser Zusatzartikel äußert umstritten und wird juristisch unterschiedlich ausgelegt. „Würde die Regierung uns die Waffen wegnehmen, oh man, dann gäbe es einen riesen Aufstand“, sagt Mary Abramson.

Na klar möchte ich dann von Richard Abramson auch wissen, auf wen er bei der Präsidentschaftswahl setzt. Die Antwort habe ich eigentlich schon erwartet. „Donald Trump, seit dem ersten Tag bin ich für ihn.“ Trump nehme keine Rücksicht auf die „political correctness“, findet Richard Abramson. Kritisiere man zum Beispiel Moslems, oder äußere Sorgen über eine muslimische Gruppe,  gelte man sofort als islamophob. Trump nehme da keine Rücksicht – ganz automatisch muss man bei diesen Sätzen an die Diskussionen rund um die Aufnahme der Flüchtlinge und den Aufstieg der AfD denken.

Aber er hat doch kein wirkliches politisches Programm, wende ich ein. „Er hat die besten Berater, er muss jetzt noch nicht alle Antworten auf alle Fragen haben“, sagt Richard Abramson.

Auch Guy Pizzulo findet Donald Trump und seine Aussagen nicht so verkehrt: „Er will Amerika und den Dollar wieder stark machen, die Jobs zurückholen, die etwa an die Mexikaner verloren gegangen sind.“ Das halte er für einen guten Ansatz. Gleichzeitig fürchtet er, dass Trump die USA im Mittleren Osten in einen Krieg führen könnte.

Wen wählen? Es geht derzeit vielen so, mit denen ich spreche. „Wir sind so ein großes Land und wir haben nur diese zwei Optionen – das ist ein Armutszeugnis“, sagt mir ein junger Mann, der mit mir im Zug sitzt. Dieses Gefühl ist bei vielen Menschen vorherrschend.

Mehr Waffen, mehr Sicherheit – ein Ansatz, der aus europäischer Sicht kaum nachzuvollziehen ist. Doch viele Amerikaner denken so. Ich denke, dieses Thema wird auch vor dem Hintergrund der Schießerei in Orlando noch eine wichtige Rolle im Wahlkampf spielen.

Sicherlich kann das Schießen als Hobby in so einem Gun Club Spaß machen – viele Menschen gehen in Deutschland diesem Hobby nach. Aber muss jeder ein Sturmgewehr zu Hause im Schrank haben? Ich glaube nicht.

Euer Max Holscher

 

 

 

 

 

Ein Gedanke zu “„Mehr Waffen, mehr Sicherheit“

  1. Fuer viele Americans ist die Wahl fuer Donald Trump nicht fuer ihn, sondern eine Wahl gegen Clinton.

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