Liebe Leute, 

Amis sind faul – wenn es ums Laufen geht. Als ich Amerikanern davon erzählte, ich sei eine Meile vom Bahnhof zum Hotel zu Fuß gegangen, schauen sie mich fast entsetzt an? „Gelaufen?“. Unsere transatlantischen Partner sind am liebsten auf vier Rädern unterwegs: Damit sie sich so wenig wie möglich bewegen müssen, gibt es überall die „Drive Throughs“ – mit dem Auto kann man direkt an einen Geldautomaten fahren und Dollars ziehen, ohne auszusteigen. Klar, von McDonalds kennen wir das auch aus Deutschland, Star Bucks hat es inzwischen auch. Aber ein Friedhof?

Davon erzählte mir James, ein Uber-Fahrer, als wir auf das Thema Laufen kamen. „Wir bewegen uns nicht gerne“, sagte er. „Ich habe sogar gehört, dass sie in Chicago einen Drive Through auf einem Friedhof einrichten wollen“, sagte er und musste selbst lachen. Eine grobe Google-Suche bestätigte diese Pläne zwar nicht, aber solche Ideen würden mich im Land der unbegrenzten Möglichkeiten (auch der absurdesten) nicht überraschen. Zum Gebet schnell Justin Biebers „Baby“ im Radio herunterdrehen, die Windlichter und Blumenkranz für die Liebsten könnte man dann einfach aus dem Autofenster werfen. Fertig. Diese Amis.

Während meines Stopps in Chicago hat der Supreme Court ein großes Ziel von Barack Obama vorerst auf Eis gelegt: illegalen Immigranten, die seit 2010 in den USA leben, Familie im Land haben und bisher kriminell nicht in Erscheinung getreten sind, von einer Abschiebung vorerst zu verschonen und den Zugang zum Arbeitsmarkt zu erlauben.
Zwischen vier und fünf Millionen Menschen hätten davon profitiert. Der Supreme Court, der oberste Gerichtshof der USA, entschied aber anders. Das Thema Immigration ist wie in Europa auch, ein heißes Diskussionsthema. Einige Medien berichten bereits, es handele sich mit um die größte Niederlage von Obama während seiner Amtszeit.

Rund elf Millionen Menschen leben illegal in den USA, teilweise seit Jahrzehnten. Bekommen die illegalen Einwanderer Kinder, sind diese dann automatisch durch die Geburt in den USA ein US-Bürger, die Eltern sind aber weiterhin von einer Abschiebung bedroht.
Einen Tag nach der Entscheidung habe ich mich mit einer Organisation getroffen, die sich für die Rechte von Immigranten und Flüchtlinge einsetzt. In ihrem Büro in Chicago war am Tag nach des Supreme Courts die Hölle los. Sie hatten an dem Programm mitgewirkt. „Wir sind noch alle etwas neben der Kappe“, sagte Fred Tsao in seinem Büro.

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Fred Tsao sieht aufgrund der Entscheidung und der Zusammensetzung des Surpreme Courts zumindest während der Regierungszeit von Obama keine Chance mehr, das Programm noch zu implementieren. Wenn Hillary Clinton ins Amt gewählt werde, stünden die Chancen für den Plan nicht schlecht. Denn der Präsident bzw. die Präsidentin nominiert die Richter des Supreme Courts, die dann ins Amt berufen werden – umso schmerzlicher die Niederlage für Obama.

„Wenn Trump gewinnt, dann steht der Plan nicht mehr zur Diskussion – und ich wandere nach Kanada aus“, sagt Fred Tsao.

Es gibt keinen Zweifel, dass der Bereich Immigration eines der Top Themen der US-Wahl wird.

Wie der Präsident der jungen Republikaner in Illinois über den Brexit denkt, darüber schreibe ich im nächsten Beitrag.

 

Euer Max Holscher

 

 

 

Ein Gedanke zu “Auswandern als letzte Möglichkeit

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