Liebe Leute,

am Tag des Brexits habe ich mich abends mit Jeff Halm in Chicago getroffen. Er ist der Präsident der jungen Republikaner im Bundesstaat Illinois.  In der Bar begann  gerade für viele Menschen die After Work-Party. Ein asiatisches Männerduo schmetterte die ersten Schnulzen an der Karaoke-Maschine.  Klar begannen wir schnell in die politische Diskussion einzusteigen. Oder besser gesagt Jeff Halm. „Hast du die Nachrichten heute verfolgt? Ist der Brexit nicht großartig?“

Der 29-jährige IT-Spezialist ist ein guter Redner und äußerst genau über die Geschehnisse in Europa informiert. Er spricht über die Vorfälle mit Flüchtlingen in der Silvesternacht in Köln und definiert im Zuge dessen eine Aufgabe für den Staat: „Es muss die oberste Aufgabe des Staates sein, zu entscheiden, wer rein darf und wer nicht“, sagt er und nimmt ein Schluck aus dem Bierglas mit Blue Moon.

Jeff Halm ist begeistert vom Ausscheiden Großbritanniens aus der EU. Das hat viele Gründe: Die EU übernehme heimlich die Aufgaben der Nationalstaaten, betreibe eine Politik weit weg von den Menschen, verfolge das Ziel eines supranationalen Staates, den viele aber nicht wollten. Was als Gemeinschaft für Kohle und Stahl begann, als Wirtschaftsunion, habe sich zu stark zu einer politischen Union entwickelt. Jeff Halm sieht die Entwicklung nun mit Begeisterung. Zu viel Regulierung durch den Staat – die Republikaner, die ich getroffen habe, sind absolut dagegen – sei es die Krankenversicherung oder veränderte Waffengesetze.

Unweigerlich erinnern Sprache und Ziele der Republikaner an Aussagen aus dem stark konservativen Lager in Deutschland oder an anderen europäischen Ländern. Zuwanderung begrenzen, eigene Werte stärken, die Jobs zurückgewinnen (doch wer will die  viele Arbeit eigentlich machen, die die Mexikaner bisher in den USA übernehmen?). Viele Dinge kommen einem aus dem vergangenen Jahr in Deutschland sehr bekannt vor. Auch dieser Satz fiel sehr häufig:  „Ich will Kritik an Immigranten äußern dürfen, ohne gleich als Rassist abgestempelt zu werden“, sagt Jeff Halm. Klar, Kritik muss möglich sein. Es soll aber auch vorgekommen sein, dass dieser Satz als Vorwand genommen wurde, um einfach mal gegen die Flüchtlinge auf niedrigem Niveau verbal zu schießen. Aber anderes Thema.

Anstatt über die Stärken Donald Trumps zu sprechen, wechselt das Thema erst einmal zu den Verfehlungen von Hillary Clinton. „Ist die Email-Affäre nicht etwas zu hoch aufgehängt“, will ich wissen. „Absolut nicht, Hillary Clinton glaubt, die Gesetze gelten nur für kleine Leute“, sagt Jeff Halm. Andere hätten aufgrund dieses Vorfalls schon längst den Hut nehmen müssen und verweist auf den früheren Direktor der CIA, General David Patraeus.

Patraeues trat 2012 zurück, nachdem bekannt geworden war, dass er als geheim eingestufte Dokumente an seine Biographin weitergegeben hatte. US-Medien ziehen bereits Vergleiche zum Fall von Hillary Clinton – sie hatte als Außenministerin eine private Email-Adresse für ihre dienstlichen Mailverkehr genutzt – das FBI ermittelte, ob sie auch als geheim eingestufte Informationen weitergab. Für die Republikaner ist sie deshalb nicht vertrauenswürdig. „Wenn die Infos in falsche Hände geraten, können Menschen dadurch sterben“, sagt Jeff Halm und meint damit etwa Informationen über Kriegseinsätze.

Am Ende will ich doch nochmal wissen, was er nun  von Trump hält: Jeff Halm ist durchaus skeptisch. Die anderen Bewerber der Republikaner hätten einen Fehler gemacht. Sie haben Trump wie einen Politiker öffentlich attackiert. Aber das hat ihn nicht interessiert. Denn Trump hat einfach wie ein Mann von der Straße geredet und darauf nicht reagiert – sie waren nicht in der Lage, ihm Herr zu werden, sagt Jeff Halm.

„Er ist unterhaltsam und bekannt wie die Kardashians.“ Das habe ihm stark geholfen im Rennen um die Kandidatur. Auch wenn man nicht wisse, was Trump genau als Präsident plane, ist sich Jeff Halm sicher, dass es mit einem Team von guten Beratern schon funktionieren werde.

Inzwischen bin ich übrigens in Washington D.C. angekommen und werde von hier weiter berichten.

(Auf dem Bild sieht man übrigens den Trump-Tower in Chicago)

Viele Grüße

Euer Max Holscher

 

 

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