Liebe Leute,

viel zu lang habe ich mich nicht gemeldet – doch der Alltag holt einen dann doch schnell ein und andere Dinge – etwa meine Berichte aus den USA – verschieben sich plötzlich auf der Prioritätenliste. Vor einer Woche bin ich am Samstag wieder in Deutschland gelandet. Die verbliebenen Tage meiner Reise in New York habe ich vor allem genutzt, um befreundete Journalisten zu treffen und mit ihnen über die Lage in den USA zu diskutieren. Natürlich auch über das Thema Waffengesetze, das durch die Schüsse in Dallas erneut in den Fokus rückt.

Die Situation und die möglichen Folgen habe ich für die HNA auch in diesem Beitrag kommentiert. Ändern wird auch dieser Vorfall leider nichts.  Stattdessen treten alte Probleme der amerikanischen Gesellschaft wieder in den Vordergrund: die Polizeigewalt gegenüber Afro-Amerikanern und der Rassenhass in der US-Gesellschaft.

Das erinnerte mich an ein Gespräch mit Sheriff Gene Samuelson, den ich in Holdrege, Nebraska, getroffen hatte. Der ärgerte sich darüber, wie man mit den Polizisten inzwischen umgeht, ihnen sozusagen misstraut. Schließlich werden ihre Fahrten mit einer Kamera im Auto aufgezeichnet. „Früher sind wir vor Gericht gegangen, haben als Zeugen ausgesagt und uns wurde geglaubt“, sagte Gene Samuelson. „Heute müssen wir beweisen, dass wir unschuldig sind und werden fast wie Verbrecher behandelt.“ Gene Samuelson, Sheriff

Das war für mich eine spannende Innenansicht aus dem Leben eines Polizisten – leider muss man aber auch sagen: Es ist gut und offenbar nötig, dass die Arbeit der Polizei in den USA mit Kameras in den Autos aufgezeichnet wird – etwa wenn sie Autos und deren Fahrer kontrollieren oder zu Einsätzen gerufen werden. Wie häufig haben diese Bilder schon bewiesen, dass Polizisten bei Kontrollen mit übertriebener Gewalt handelten, Menschen verletzten oder diese gar zu Tode kamen. Schon einmal gingen die Menschen deshalb auf die Straße und demonstrierten, als 2014 in Ferguson der 19-jährige Michael Brown von einem Polizisten erschossen wurde. Nun gab es wieder mehrere Vorfälle dieser Art, die zur Demonstration in Dallas führten, wo es zu den tödlichen Schüssen auf Polizisten kam. Das Motiv, so stellte sich heute heraus: Hass auf Weiße.

Keine Frage, auch die Situation der Polizei ist nicht einfach, wenngleich es natürlich nie zu solchen Vorfällen kommen darf.  Die Polizisten stehen unter enormen Druck  – zu wenig Personal, wenig Respekt für ihre Arbeit, tägliche Einsatz gegen das Verbrechen, Frust.  Und am Ende haben die Bürger doch kein Vertrauen in die Polizei und beschützen sich lieber selbst, mit ihren eigenen Waffen. Das haben mir die Menschen auf meiner Tour mehrfach so bestätigt. Sie vertrauen nur auf sich selbst, nicht auf den Staat und die Polizei. Und so sind die USA immer auch ein wenig Wilder Westen.

Aber zurück zu meinem Aufenthalt in den USA: Ein Fazit zu der Reise quer durch das Land, von San Francisco nach New York, lässt sich eigentlich kaum ziehen – zu verschieden waren die Themen und Menschen, mit denen ich mich auseinandergesetzt habe.

Ein immer wieder kehrender Satz bringt die drei Wochen dann aber vielleicht doch ganz gut auf den Punkt: „I will vote for the lesser of two evils“ –  viele Menschen haben genau diese Worte gewählt, als ich sie gefragt habe: Wen werdet ihr wählen? Verwendetet wurde er sowohl von Republikanern als auch von Demokraten. Das zeigt deutlich: Die Anhänger beider Parteien sind nicht zufrieden mit ihrer Führungsspitze. Hillary Clinton ist vielen zu professionell, achtet zu sehr darauf, positiv herüberzukommen, lässt dich menschliche Seite dadurch vermissen. Sie ist für den Wähler nicht greifbar.

Und dann Donald Trump. „The bighmouth“, das Großmaul. Zu ihm ist schon so vieles gesagt worden. Auch wenn die Republikaner, die ich getroffen habe, ihn nicht mögen, nicht überzeugend finden, so werden sie ihn doch wählen. Für Europäer ist dieses Szenario weiterhin undenkbar.

Damit dieser Beitrag nicht wieder in eine unlesbare Länge ausartet: Die USA, das habe ich wieder einmal festgestellt, sind aus journalistischer Sicht ein spannendes Land, gerade weil dort viele Dinge nicht so rund laufen wie in Deutschland und das Land trotz seiner Probleme nur so vor Selbstvertrauen strotzt – es wird sicherlich nicht meine letzte Reise in die USA gewesen sein und ich hoffe, Sie als Leser hatten etwas Spaß an meinen Schilderungen.

Da die Berichte und der Newsletter an einigen Stellen doch auf positive Resonanz gestoßen sind, werde ich auch in Deutschland zu bestimmten Gelegenheiten wieder auf meinem Blog schreiben – etwa zur Landespolitik in Wiesbaden, größere Recherchen, oder einfach auch Kolumnen zu täglichen Beobachtungen in Deutschland.

Wenn Sie den Newsletter aus den USA abonniert haben, erhalten sie meine Beiträge dann automatisch per Mail.

Ich freue mich natürlich über positives, aber auch kritisches Feedback.

 

Viele Grüße,

Euer Max Holscher

 

 

 

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